GOT, GPT und Gamma-GT – was Leberwerte über Stoffwechsel, Ernährung und Gesundheit verraten
Was sind GOT, GPT und Gamma-GT?
Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan des Menschen. Sie übernimmt täglich hunderte Aufgaben: Sie verarbeitet Nährstoffe, speichert Vitamine und Mineralstoffe, bildet Gallensäuren, produziert wichtige Eiweiße und entgiftet körperfremde und körpereigene Stoffe. Deshalb wird sie häufig als „chemische Fabrik des Körpers“ bezeichnet.
Bei einer Blutuntersuchung gehören die Werte GOT (AST), GPT (ALT) und Gamma-GT (GGT) zu den wichtigsten Laborparametern, um die Gesundheit der Leber und den Zustand des Stoffwechsels einzuschätzen. Dabei handelt es sich nicht um Stoffe, die von der Leber produziert werden, sondern um Enzyme, die normalerweise innerhalb der Leberzellen arbeiten. Werden Leberzellen belastet oder geschädigt, gelangen diese Enzyme vermehrt ins Blut und können dort gemessen werden.
Die Leber – mehr als nur ein Entgiftungsorgan
Die Leber ist beteiligt an:
- Kohlenhydratstoffwechsel
- Fettstoffwechsel
- Eiweißstoffwechsel
- Bildung von Cholesterin und Gallensäuren
- Speicherung von Eisen, Vitamin B12 und fettlöslichen Vitaminen
- Entgiftung von Alkohol, Medikamenten und Umweltstoffen
- Produktion wichtiger Bluteiweiße
- Regulation von Entzündungsprozessen
Störungen in diesen Bereichen können sich oft schon früh in veränderten Leberwerten zeigen, lange bevor Beschwerden auftreten.
GPT / ALT – der empfindlichste Marker für Leberzellen
Die GPT, ausgeschrieben Glutamat-Pyruvat-Transaminase, wird heute meist ALT oder ALAT genannt. ALT steht für Alanin-Aminotransferase. Dieses Enzym kommt überwiegend in den Leberzellen vor.
Steigt der GPT-Wert beziehungsweise ALT-Wert an, deutet dies häufig auf eine Schädigung oder Belastung der Leberzellen hin. GPT gilt daher als der leberspezifischste der drei klassischen Leberwerte.
Mögliche Ursachen erhöhter GPT-Werte:
- Fettleber
- Übergewicht und Insulinresistenz
- Diabetes mellitus
- Alkohol
- Virushepatitis
- Medikamente
- Entzündungen
- toxische Belastungen
Eine erhöhte GPT bedeutet jedoch nicht automatisch eine schwere Erkrankung. Häufig sind bereits Lebensstilfaktoren die Ursache.
GOT / AST – ein Marker für Leber und Muskulatur
Die GOT, ausgeschrieben Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, wird heute meist AST oder ASAT genannt. AST steht für Aspartat-Aminotransferase. Dieses Enzym findet sich nicht nur in der Leber, sondern auch:
- in der Skelettmuskulatur
- im Herzmuskel
- in den Nieren
Daher kann eine Erhöhung auch nach intensivem Sport, bei Muskelverletzungen oder Entzündungen auftreten. Die GOT sollte deshalb immer zusammen mit GPT betrachtet werden.
Gamma-GT / GGT – empfindlicher Marker für Leber und Gallenwege
Die Gamma-Glutamyltransferase, kurz Gamma-GT oder GGT, spielt eine wichtige Rolle im Glutathionstoffwechsel. Glutathion gehört zu den wichtigsten körpereigenen Antioxidantien und schützt die Zellen vor oxidativem Stress.
Eine erhöhte Gamma-GT kann auf folgende Ursachen hinweisen:
- Fettleber
- Alkoholbelastung
- Gallestau
- Medikamente
- chronische Entzündungen
- Stoffwechselstörungen
- erhöhten oxidativen Stress
Die Gamma-GT ist ein sehr empfindlicher Marker und steigt häufig schon an, bevor andere Leberwerte auffällig werden.
Fettleber – eine häufige Stoffwechselerkrankung
Die häufigste Ursache erhöhter Leberwerte ist die nichtalkoholische Fettleber, heute häufig auch als metabolisch assoziierte Fettleber bezeichnet.
Sie entsteht häufig durch:
- zu viele Kalorien
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Insulinresistenz
- dauerhaft hohe Blutzuckerwerte
- hohen Konsum von Zucker und Fruktose
- stark verarbeitete Lebensmittel
Besonders überschüssige Energie aus Zucker und Alkohol wird in der Leber in Fett umgewandelt und gespeichert. Dadurch kann es zunächst zur Verfettung und später zu Entzündungen kommen.
Ernährungsphysiologische Betrachtung der Leberwerte
Aus Sicht der Ernährungswissenschaft spiegeln erhöhte Leberwerte häufig einen gestörten Stoffwechsel wider.
Die Leber benötigt für ihre Regeneration unter anderem:
Hochwertiges Eiweiß für Leber, Stoffwechsel und Regeneration
Aminosäuren werden benötigt für:
- Enzyme
- Reparaturprozesse
- Entgiftungsenzyme
- Bildung von Glutathion
- Aufbau und Erhalt von Muskelmasse
- normale Stoffwechselfunktionen
Geeignete Eiweißquellen sind:
- Hülsenfrüchte
- Fisch
- Eier
- Naturjoghurt
- Nüsse und Samen
- Auch hochwertige Eiweißpräparate können eine sinnvolle Ergänzung darstellen, insbesondere wenn der Eiweißbedarf über die Ernährung allein nicht ausreichend gedeckt werden kann. Geeignet sind beispielsweise Molkenprotein, Casein oder hochwertige pflanzliche Eiweißmischungen aus Erbsen- und Reisprotein.
Ergänzend können basisch ausgerichtete Eiweißpräparate sinnvoll sein, also Eiweißprodukte, die zusätzlich mit basenbildenden Mineralstoffen kombiniert werden oder in eine insgesamt gemüse- und obstreiche Ernährung eingebettet sind. Wichtig ist dabei: Eiweiß wird nicht grundsätzlich basisch verstoffwechselt, weil insbesondere schwefelhaltige Aminosäuren zur Säurelast beitragen können. Entscheidend ist deshalb immer die gesamte Ernährungsweise. Eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Kräutern, Obst, Kartoffeln, Mineralstoffen und ausreichend Flüssigkeit kann helfen, die Säure-Basen-Bilanz günstig zu unterstützen.
Antioxidative Mikronährstoffe – Schutz vor oxidativem Stress
Für den Schutz vor oxidativem Stress sind insbesondere wichtig:
- Vitamin C
- Vitamin E
- Selen
- Zink
- Polyphenole
- Carotinoide
- Oligomere Proanthocyanidine, kurz OPC
Sie finden sich vor allem in:
- Gemüse
- Beeren
- Kräutern
- Nüssen
- Hülsenfrüchten
Darüber hinaus werden Polyphenole und insbesondere OPC aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften intensiv wissenschaftlich untersucht. Bekannt wurde OPC vor allem durch die Arbeiten des französischen Wissenschaftlers Dr. Jack Masquelier, der oligomere Proanthocyanidine aus Traubenkernen und Pinienrinde erforschte.
Bei OPC-Präparaten wird teilweise auf ein Echtheitszertifikat nach den ursprünglichen Verfahren von Dr. Masquelier hingewiesen. Ein solches Echtheitszertifikat kann für Verbraucher ein Hinweis auf Herkunft, Qualität und Standardisierung des eingesetzten OPC-Rohstoffes sein. Polyphenole und OPC können Bestandteil einer antioxidativ ausgerichteten Ernährung sein, ersetzen jedoch keine ausgewogene und pflanzenbetonte Ernährung.
Ballaststoffe für Darm, Leber und Stoffwechsel
Ballaststoffe unterstützen:
- Darmflora
- Gallensäurestoffwechsel
- Blutzuckerregulation
- Cholesterinstoffwechsel
- Sättigung
- Darm-Leber-Achse
Besonders günstig wirken:
- Haferflocken
- Haferkleie
- Hülsenfrüchte
- Leinsamen
- Gemüse
- Vollkornprodukte
Eine ballaststoffreiche Ernährung kann dazu beitragen, Blutzuckerspitzen zu reduzieren, die Darmflora zu unterstützen und den Stoffwechsel zu entlasten. Gerade im Zusammenhang mit erhöhten Leberwerten, Insulinresistenz und Fettleber spielt der Darm eine wichtige Rolle.
Omega-3-Fettsäuren, EPA und DHA
Omega-3-Fettsäuren besitzen entzündungsregulierende Eigenschaften und können den Fettstoffwechsel günstig beeinflussen.
Quellen sind:
- Leinöl
- Walnüsse
- Chiasamen
- fettreicher Seefisch
Darüber hinaus können hochwertige Omega-3-Präparate mit den marinen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA eine sinnvolle Ergänzung darstellen.
EPA steht für Eicosapentaensäure. DHA steht für Docosahexaensäure. Beide gehören zu den biologisch aktiven Omega-3-Fettsäuren. EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei. DHA trägt außerdem zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion und normalen Sehkraft bei. Diese positiven Wirkungen stellen sich bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg EPA und DHA beziehungsweise 250 mg DHA ein.
Gerade wenn regelmäßig kein fettreicher Seefisch gegessen wird, können hochwertige EPA- und DHA-Präparate aus Fischöl oder Algenöl eine praktische Möglichkeit sein, die Versorgung gezielt zu unterstützen.
Was erhöht die Leberwerte?
Zu den häufigsten Belastungsfaktoren gehören:
- Alkohol
- Übergewicht
- viszerales Bauchfett
- zuckerreiche Ernährung
- Fruktosehaltige Getränke
- Bewegungsmangel
- Medikamente
- Rauchen
- Schlafmangel
- chronischer Stress
Selbst leicht erhöhte Werte sollten ernst genommen werden, da sie Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Lebererkrankungen geben können.
Was kannst du selbst tun?
Die gute Nachricht: Die Leber besitzt eine bemerkenswerte Regenerationsfähigkeit.
Bereits folgende Maßnahmen können die Leberwerte häufig deutlich verbessern:
Gewichtsreduktion von 5–10 %
Besonders bei einer Fettleber kann bereits eine moderate Gewichtsreduktion einen deutlichen Unterschied machen. Entscheidend ist dabei nicht nur das Gewicht auf der Waage, sondern vor allem die Reduktion von viszeralem Bauchfett.
Tägliche Bewegung
8.000–10.000 Schritte
Krafttraining
Ausdauertraining
Bewegung verbessert die Insulinsensitivität, unterstützt den Fettstoffwechsel und kann helfen, überschüssiges Fett in der Leber abzubauen.
Mediterrane und pflanzenbetonte Ernährung
Eine mediterrane, pflanzenbetonte Ernährung liefert viele Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, hochwertige Fette, Mineralstoffe und antioxidative Mikronährstoffe.
Mehr Gemüse und Ballaststoffe
Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Leinsamen und Haferflocken unterstützen Darmflora, Blutzuckerregulation, Sättigung und Gallensäurestoffwechsel.
Hochwertige Eiweißversorgung sicherstellen
Eine ausreichende Eiweißzufuhr unterstützt Muskulatur, Enzyme, Reparaturprozesse und die Bildung körpereigener Schutzsysteme wie Glutathion.
Ausreichende Versorgung mit antioxidativen Mikronährstoffen
Antioxidative Mikronährstoffe wie Vitamin C, Vitamin E, Selen, Zink, Polyphenole, Carotinoide und OPC können helfen, den Körper beim Umgang mit oxidativem Stress zu unterstützen.
Sehr wenig zugesetzten Zucker konsumieren
Zugesetzter Zucker sollte möglichst stark reduziert werden. Besonders ungünstig sind große Mengen Zucker in Süßigkeiten, Fertigprodukten, Backwaren, Müslis, Snacks und gesüßten Milchprodukten.
Keine Zuckergetränke trinken
Zuckergetränke liefern schnell verfügbare Energie, ohne nachhaltig zu sättigen. Dazu zählen Limonaden, Energydrinks, gesüßte Eistees, Fruchtsaftgetränke und regelmäßig konsumierte Säfte. Gerade für Leber, Blutzucker und Fettstoffwechsel sind Zuckergetränke besonders ungünstig.
Kein Alkohol
Alkohol belastet die Leber direkt und kann die Entstehung oder Verschlechterung einer Fettleber fördern. Bei erhöhten Leberwerten ist es daher sinnvoll, Alkohol konsequent zu meiden.
Stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren
Stark verarbeitete Lebensmittel enthalten häufig viel Zucker, Weißmehl, ungünstige Fette, Salz, Zusatzstoffe und wenig Mikronährstoffe. Eine naturbelassene Ernährung entlastet Stoffwechsel und Leber.
Nicht rauchen
Rauchen erhöht oxidativen Stress und belastet Gefäße, Stoffwechsel und Entgiftungssysteme.
Ausreichend schlafen
Schlafmangel beeinflusst Hungerhormone, Blutzuckerregulation, Stresshormone und Regenerationsprozesse. Ausreichender Schlaf unterstützt den Stoffwechsel und die Leberregeneration.
Chronischen Stress reduzieren
Chronischer Stress kann über Cortisol, Schlafqualität, Essverhalten, Blutzucker und Entzündungsprozesse indirekt auch die Leber belasten. Stressmanagement, Atemübungen, Bewegung, Natur, Pausen und soziale Verbindung können wichtige Bausteine sein.
Auf ein gesundes Körpergewicht und insbesondere die Reduktion von viszeralem Bauchfett achten
Viszerales Bauchfett ist stoffwechselaktiv und steht eng mit Insulinresistenz, Entzündungsprozessen und Fettleber in Verbindung. Deshalb ist der Bauchumfang oft aussagekräftiger als das reine Körpergewicht.
Fazit: Leberwerte als Frühwarnsystem des Stoffwechsels
GOT, GPT und Gamma-GT sind keine Krankheiten, sondern Warnsignale des Stoffwechsels.
Erhöhte Leberwerte weisen häufig darauf hin, dass die Leber unter Belastung steht. In vielen Fällen handelt es sich dabei nicht um eine isolierte Lebererkrankung, sondern um die Folge eines gestörten Lebensstils mit Übergewicht, Insulinresistenz, Bewegungsmangel und einer nährstoffarmen Ernährung.
Die Leber ist jedoch ein regenerationsfähiges Organ. Durch eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, Stressmanagement und die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen können Stoffwechsel und Lebergesundheit häufig nachhaltig unterstützt werden.
Leberwerte sollten daher nicht isoliert betrachtet werden, sondern immer im Zusammenhang mit Ernährung, Bewegung, Körpergewicht, Darmgesundheit und dem allgemeinen Stoffwechselzustand. Sie sind weniger ein Ausdruck von Krankheit, sondern vielmehr ein Frühwarnsystem des Körpers und damit eine Chance, frühzeitig durch einen gesundheitsfördernden Lebensstil gegenzusteuern.
Quellen und weiterführende Informationen
Deutsche Leberstiftung: Leber und Leberwerte
Deutsche Leberhilfe: Leberwerte und ihre Bedeutung
Gesundheitsinformation.de / IQWiG: Gamma-GT, AST und ALT
LADR Laborverbund: Erhöhte Leberwerte
NDR Gesundheitsratgeber: Leberwerte im Blut erhöht – Bedeutung und Ursachen
NetDoktor: Leberwerte, GPT und Gamma-GT
EU-Verordnung zu zugelassenen Health Claims: EPA und DHA